Einlaufhebewerk
Wegen des Geländeverlaufs ist es leider nicht möglich, dass das Abwasser im freien Gefälle durch alle Stationen der Kläranlage fließen kann. Das Abwasser muss daher zu Beginn der Abwasserreinigung angehoben werden. Um dies zu erreichen, befindet sich im Einlaufbereich der Kläranlage ein Einlaufhebewerk. Dieses Pumpwerk basiert auf einem Prinzip („Archimedische Schraube“), das der griechische Mathematiker, Physiker und Ingenieur Archimedes bereits vor mehr als 2.000 Jahren entwickelt hat, um Wasser auf ein höheres Niveau zu transportieren. Die Schnecken/Schrauben befinden sich in einem eng angepassten Trog und können um ihre Mittelachse gedreht werden. Hierdurch entstehen zwischen der Schnecke und dem Trog viele Kammern, in denen das Wasser steht. Diese Kammern werden nach oben und unten durch jeweils eine Windung der Schnecke begrenzt. Aufgrund der Schwerkraft kann das Wasser aber nicht über die Ränder der Windungen zurückfließen. Durch das ständige Drehen der Schraube bewegen sich alle Kammern in Richtung des Schneckenendes. Am Ende läuft das Abwasser aus der sich auflösenden Kammer aus, am Schneckenanfang entsteht wiederum eine neue Kammer, welche sich mit Rohabwasser füllt. Die Kläranlage ist mit drei Schnecken unterschiedlicher Leistung ausgestattet. Schnecke 1 für Trockenwetterbetrieb, Schnecke 2 (in Kombination mit Schnecke 1) für Regenwetterbetrieb und Schnecke 3 als Reserve.
Einlaufhebewerk
Rechen
Das angehobene Abwasser fließt anschließend in das Rechengebäude.
Mit den beiden neuen Feinsiebrechen mit einer Spaltweite von 6 mm werden
die Grobstoffe aus dem Abwasserstrom entfernt. Das Rechengut wird anschließend
mit Hilfe eines Reinigungsschabers automatisch geräumt. Durch eine
Rechengutwäsche und anschließende Entwässerung wird die zu entsorgende
Rechengutmenge erheblich reduziert. Die ausgewaschenen, leicht abbaubaren
Kohlenstoffverbindungen erlauben in der biologischen Stufe einen
erhöhten Stickstoffabbau. Der Austrag des Rechengutes erfolgt über eine Transportschnecke und eine Absackanlage in einen Abwurfcontainer. Für einen
sicheren Winterbetrieb und zur Vermeidung von Geruchsbelästigungen ist die gesamte Rechenanlage in einem geschlossenen Gebäude untergebracht. Im Falle extremer hydraulischer Belastungen oder der Störung eines Rechens, sorgt eine Notumgehung, die zwischen den beiden Rechen verläuft, für eine schadlose Ableitung des Abwassers.
Feinrechen
Sandfang
Sandfang
Durchflussmessung, Verteilbauwerk und Phosphorelimination
Verteilbauwerk
Belebungsbecken und Nachklärbecken
Rücklaufschlammpumpen
Kombibecken
Schlammbehandlung – Vorbehandlung und Faulbehälter
Der aus der biologischen Reinigungsstufe abgezogene Überschussschlamm wird zunächst in dem Rohschlammspeicher zwischengespeichert. In diesem Vorlagebehälter wird auch der Überschussschlamm der Kläranlage Neuenhaßlau mit Hilfe einer Druckrohrleitung, die beide Kläranlagen des Abwasserverbandes miteinander verbindet, gepumpt. Nach einer statischen Voreindickung mit Hilfe der Schwerkraft gelangt der Überschussschlamm in eine mechanische Voreindickung, wo er mit Hilfe eines Scheibeneindickers aufkonzentriert wird. Der eingedickte Schlamm wird dann in einen Anaerobreaktor („Faulbehälter“) gepumpt. Das bei der statischen und mechanischen Eindickung anfallende Trübwasser wird in die Kläranlage zurückgeführt.
Faulbehälter
Im Anaerobreaktor („Faulbehälter“) wird der eingedickte Überschusschlamm unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerob) einem Vergärungsprozess unterzogen. Heizungspumpen sorgen für eine mesophile (36 – 38 °C) Betriebsweise. Der Behälter ist isoliert, um den Wärmeverlust zu begrenzen. Ein Vertikalrührwerk, das an der Reaktorspitze montiert ist, sorgt dafür, dass sich im Reaktor keine Sink- und Schwimmschichten bilden. Nach einer mittleren Verweildauer von 20 bis 30 Tagen wird der vergorene Klärschlamm in den Schlammstapelbehälter gepumpt, um anschließend entwässert zu werden. Das bei der Vergärung entstehende Klärgas ist im Wesentlichen ein Gemisch aus brennbarem Methan (CH4), (65 – 70 Vol.-%) und unbrennbarem Kohlenstoffdioxid (CO2), (30 – 35 Vol.-%). Bevor das Klärgas energetisch in einem Blockheizkraftwerk genutzt wird, wird es jedoch zunächst in einem Gasbehälter gespeichert.
Maschinelle Voreindickung
Faulbehälter
Schlammentwässerung und Blockheizkraftwerk (BHKW)
Der gesamte Klärschlamm, der auf den Kläranlagen des Abwasserverbands Freigericht anfällt, wird verbrannt. Um die Entsorgungs- und Transportkosten so gering wie möglich zu halten, muss daher der ausgegorene Klärschlamm entwässert werden. Dies geschieht im Gebäude der Schlammentwässerung mit Hilfe zweier Vollmantel-Schneckenzentrifugen. Kernstück dieser Zentrifugen ist eine zylindrisch-konische Trommel, die mit einer hohen Drehzahl rotiert. Die im Klärschlamm enthaltenen Feststoffe setzen sich unter dem Einfluss der Zentrifugalkraft an der Innenwand der Trommel ab, sodass die Feststoffe vom Wasser getrennt werden. Nach der Entwässerung hat der Klärschlamm einen Feststoffgehalt von ca. 25 %. Das abgetrennte Zentratwasser wird nach einer Zwischenspeicherung wieder der Kläranlage zugegeben.
Blockheizkraftwerk (BHKW)
Im BHKW-Raum wandelt ein Gasmotor mit 80 kWel das Klärgas in thermische und elektrische Energie um. Die thermische Energie wird genutzt, um die Kläranlage mit Wärme zu versorgen. Die elektrische Energie wird genutzt, um einen Teil des Strombedarfs der Kläranlage zu decken. Der Betrieb des Gasmotors ist sehr schallintensiv, sodass das BHKW mit einer Lärmschutzhaube gekapselt ist. Dennoch werden die Grenzwerte der TA „Lärm“ außerhalb des Betriebsgebäudes eingehalten. Sollte aufgrund technischer Probleme am Gasmotor oder dem Gasbrennkessel das Klärgas nicht genutzt werden können, so wird das Klärgas schadlos über eine Notfackel entsorgt.
Schlammentwässerungsanlage
Blockheizkraftwerk
Elektro- und Fernwirkanlage, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik
Mess-, Steuer- und Regeltechnik
Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik
Kläranlagenablauf, Betriebsgebäude und Fettspeicher
Das gereinigte Abwasser gelangt aus den beiden Nachklärbecken über zwei unterirische Leitungen in das Auslaufbauwerk der Kläranlage. Bevor es von hieraus in ein nahe gelegenes Gewässer eingeleitet wird, wird auch hier noch einmal die Abwassermenge mit Hilfe zweier Durchflussmessungen (1 x Trockenwetter, 1 x Regenwetter) bestimmt und dokumentiert. Des Weiteren erfolgt eine Qualitätskontrolle mit Hilfe verschiedener Messungen für den pH-Wert, die Temperatur, die Leitfähigkeit und die Trübung. Für Zwecke der Eigen- und Fremdüberwachung befindet sich vor Ort auch noch ein automatischer Probenehmer, der in der Lage ist, zeit- und durchflussproportionale Proben (z. B. 24 h Mischproben) aus dem Abwasserstrom zu ziehen. Diese Proben werden anschließend zum Beispiel im Labor der Kläranlage analysiert.
Betriebsgebäude
Auch das Betriebsgebäude wurde von Grund auf modernisiert und erweitert. Der Sanitärbereich wurde erweitert und ebenso wie das Labor an die aktuelle Arbeitsstättenverordung angepasst. Dazu gehörte auch die Schaffung eines separaten Pausenraumes. Neben einer modernen Leitwarte, von der die gesamte Kläranlage überwacht und gesteuert werden kann, verfügt das Betriebsgebäude zudem über Büroräume, einen Werkstattbereich sowie einen Schulungsraum. Die Heizung des Gebäudes erfolgt klimafreundlich mit Hilfe der Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk.
Fettspeicher
Der Abwasserverband Freigericht behandelt auch den Inhalt von Fettabscheidern, die in den Gewerbebetrieben (z. B. Gaststätten, Metzgereien) im Verbandsgebiet anfallen. Diese Fettabscheiderinhalte werden über Tankwagen auf die Kläranlage geliefert und dort zunächst in einem Tank gelagert. Von diesem Lagerbehälter wird das Fett bedarfsgerecht in den Faulturm gepumpt: Hier entsteht aus dem energiereichen Altfett Klärgas, das im Blockheizkraftwerk der Anlage in Strom und Wärme umgewandelt wird.
Betriebsgebäude
Gelände
Überdachter Lagerplatz und Materiallagerhalle
Moderne Abwasseranlagen sind technisch komplexe Systeme, die für Zwecke eines zuverlässigen Umwelt- und Gewässerschutzes kontinuierlich und reibungslos arbeiten müssen. Aus diesem Grund werden für einen ordnungsgemäßen Betrieb zahlreiche Ersatzteile für Pumpen, Rührwerke, Antriebe etc. vorgehalten. Darüber hinaus verfügt der Abwasserverband Freigericht über diverse Einsatzfahrzeuge, einen Gabelstapler, einen Radlader sowie eine leistungsfähige mobile Pumpe. Alle diese Fahrzeuge und Ersatzteile werden witterungsunabhängig in der Materiallagerhalle untergebracht.
Überdachter Lagerplatz
Bei der Abwasserreinigung fallen erhebliche Mengen an Reststoffen an. Neben dem entwässerten Klärschlamm fallen zudem größere Mengen Sand und Rechengut an. Im Bereich des überdachten Lagerplatzes besteht die Möglichkeit, diese Stoffe bis zur Abfuhr in Containern zwischenzulagern.
Materiallagerhalle